Was ist?

Was ist der Mensch?
Philosophie ist nach Kant, das System der philosophischen Erkenntnisse und er bringt sie in den Fragen, Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Die sich in der Frage Was ist der Mensch? vereinigen. Die Tugenden und Gegenstände der sokratischen Gespräche lassen sich in Verbindung bringen, weil dort auch fragend im Dialog das Ziel des Guten für den Menschen verfolgt wird und nur das Ziel besteht zu wissen, was der Mensch ist und welche Tugenden und Gegenstände er benötigt, um diesen Weg zu gehen, um Selbst- und Endzweck zu sein. Auf dem Weg zum Ziel stellen sich ihm dann die Fragen, die Kant später als die Grundfragen anerkennen soll, die schon Gegenstand der sokratischen Dialoge waren. Mein Essay versucht einen Zusammenhang zwischen der Beantwortung dieser Frage, dem Weg, den diese Fragen ebnen und deren Ziel herzustellen. Das Ziel ist das Ende, aber am Anfang stellt sich die Frage, welches Ziel man hat, um zu wissen, welchen Weg man einzuschlagen und zu gehen sich bemühen muss. Nach Kant sind das der Endzweck und die letzten Zwecke der Vernunft, die sich auf die genannten Fragen beziehen und die das Gute für den Menschen sind.
Doch was kann ich wissen, wenn es soviel zu wissen gibt? Ist es ein spezielles Wissen, dass ich mir anzueignen habe oder ist es ein ganz anderes Wissen, welches Kant mit seiner Frage gemeint hat? Finden für Kant die Menschen in der Wissenschaft ihre Zufriedenheit oder ist es erst die Philosophie, die alles in Eintracht bringt? Wissen ist in der heutigen Gesellschaft vorrangig, manche sprechen auch von einer Wissens- oder Informationsgesellschaft. Es wird aber wohl jeder mit mir übereinstimmen, wenn ich sage, dass dieses Wissen und diese Informationen für niemanden mehr überschaubar sind und auch nicht in jedem Fall den letzten Zweck, dem Guten für den Menschen dient oder ihm hilft für seine eigenen Zwecke, so wie Sokrates immer seinen Dialogpartnern gedient hat. Man weiß viel über den Menschen, die Stoffe aus denen er besteht, die Mechanismen die seinen Geist bewegen oder über die Zusammenhänge in seinen Beziehungen. Doch hilft ihm das weiter, wenn er sich nicht letztlich klarmacht, dass das was er wissen kann nur einem Zweck dient und zwar das Gute für den Menschen zu schaffen. Sich täglich zu erforschen, wie Sokrates meint, und seine Tugend und sich selbst, wie die anderen, zum Guten zu führen, für das es keine Wissenschaft zu geben scheint. Nur dadurch, dass die Frage immer wieder nach dem Wissen gestellt wird kann das Gute für den Menschen geschaffen und der Weg, der gerade dieses Ziel hat, gegangen werden.
Auf diesem Weg stellt sich ihm aber dann auch die Frage, was er eigentlich tun soll, wenn er z.B. ein bestimmtes Wissen hat und gerade nicht weiß, ob es gut oder schlecht ist, wenn er es zur Anwendung bringt oder es preisgibt, um des Wissens halber. Das ist die nächste Frage, die existentiell für den Menschen ist, weil er ja keine vorprogrammierte Maschine zu sein scheint, die ein Programm zu absolvieren hat, dass schon vorher bestimmt ist, wenn es ein bestimmtes Ziel oder einen Zweck erreichen will. Für den Menschen gibt es immer mehrere Möglichkeiten, wie Kant es auch sieht, weil er einer Welt gegenübersteht, die so voll ist, dass er entscheiden muss und auch nicht weiß, was am Ende dabei herauskommen wird. Doch wie kann er entscheiden, wenn er nicht weiß, was geschehen wird und er nach Sokrates sowieso nichts weiß? Er kann sich, wie Kant sagt, durch die Vernunft Gesetze geben, also sich Maxime setzen, denen er folgt und die begründet sind, ohne, dass er um die Zukunft weiß. Er begründet also sein Verhalten und steht auch dazu, so wie Sokrates zu sich gestanden hat und dadurch auch nichts zu fürchten hatte. Er verfolgte das Ziel des Guten für den Menschen und war sich keiner Schuld bewusst, weil er durch sich begründet, dass richtige getan hat. Kann es etwas höheres geben, als selbstbestimmt zu handeln und das Gute zu verfolgen, wenn das der letzte Zweck ist, auch wenn man nicht weiß, was am Ende dabei herauskommen wird. Sich selbst treu zu sein und seine Würde zu behalten ist wohl das beste Ergebnis, wenn man sich die Frage stellt, was man tun soll. Die anderen Menschen werden anerkennend als Selbstzweck angesehen, also auch nicht als Mittel zum Zweck, weil das gegen die Regeln der Vernunft, das der Mensch Zweck an sich ist, verstoßen würde.
Die Frage nach dem Handeln ist auf sich selbst basierend beantwortet worden. Doch geht es dabei nicht auch darum, dass man den letzten Zweck, um das Gute, nicht genau weiß und schlichtweg nur einen Glauben daran hat? Wie ist dieser Glaube beschaffen und auf was darf ich hoffen, wenn nicht auf das Gute, dass schon wie gesagt, der letzte Zweck ist? Für Menschen ist der Glauben existentiell und notwendig, um leben zu können, weil er nicht in die Zukunft sehen kann. Daher glauben Menschen an vieles, an das Paradies, an die ewige Liebe oder die Rettung durch ein höheres Wesen. Ist dieser Glaube mit der Vernunft vereinbar? Es müsste ja schon jemand vom Paradies berichtet, die Ewigkeit kennen oder höhere Wesen gesehen haben. Daher ist dieser glaube irrational, aber es gibt auch Glauben, der sich in der Vernunft verwirklichen kann, weil ohne den rationalen Glauben an die Liebe oder an eine Zukunft, würde wahrscheinlich kein Leben möglich sein. Aber es sind halt auch für diesen Glauben, die Grenzen der Vernunft gesetzt und er kann auch nur dem Guten für den Menschen dienen, weil, wer würde schon die Hoffnung und den Glauben auf Elend, Verderb und Katastrophen bevorzugen.
Die drei Fragen sind nicht abschließend beantwortet, aber sie müssen immer wieder für das Gute für den Menschen gestellt werden und gipfeln damit in der Frage, was der Mensch ist? Sie beantworten sich wechselseitig und finden auch keine letzten Antworten, aber diese Fragen sind schon für Sokrates so existentiell, dass sie jeden Tag gestellt werden sollten und auch den Antrieb für das Gute darstellen. Jeder wird zustimmen, wenn man die Frage nach dem was der Mensch ist mit einem das was für den Menschen gut ist, damit er gut wird und auch an das Gute glauben kann beantwortet. Er kann sich seines Wissens versichern, dass es dem Guten dient, sowohl für ihn, als auch den Anderen. Er begründet durch sich selbst sein Handeln und weiß, dass es gut ist und er seine Würde und Selbstbestimmung bewahrt. Er glaubt, weil er die Zukunft nicht kennt, aber er kennt auch die Grenzen seines Glaubens.
Das Ziel also, dass Gute für den Menschen zu schaffen und ihn als Selbstzweck zu begreifen, dass er also nicht ein Mittel zum Zweck ist, ist nur auf dem Weg dieser Fragen zu erreichen, aber kann auch nicht erreicht werden, weil es immer wieder neue Menschen und neue Umstände und Bedingungen gibt, auf die diese Fragen zu richten sind. Das ist die Aufgabe der Philosophie, die sich heute gewillt zeigt, den Anderen auf diesem Weg zur Seite zu stehen, ihnen zu helfen und die Idee des Guten zu vermitteln. Alles fügt sich also unter diesen Fragen, die sich ja schon Sokrates gestellt hat, wenn er von der Tugend und den Gegenständen spricht, die täglich zu betrachten sind. Für uns stellen sie sich in einem anderen Gewand, mit anderem Wissen, anderen Möglichkeiten und anderen Hoffnungen, aber das Gute hat sich zu keiner Zeit verändert und wird auch immer der letzte Zweck bleiben.

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